Was für ein Comeback! EHC-Damen verpassen den Punktgewinn in letzter Sekunde
Sieben Tore von Neele Schmeling, eine beeindruckende Aufholjagd und ein bitteres Ende: Die neu gegründete Damenmannschaft des EHC Gelsenkirchen liefert sich bei ihrem Heimdebüt einen packenden Schlagabtausch mit den favorisierten Grizzlys aus Bergkamen und unterliegt denkbar knapp mit 7:8.
Am 18. Oktober 2026 war es endlich so weit: Die neu gegründete Damenmannschaft des EHC Gelsenkirchen bestritt um 17 Uhr ihr erstes Heimspiel in der Bezirksliga NRW. Unter der Leitung von Headcoach Carsten Bach und Philipp Bach empfingen die Gelsenkirchenerinnen die ESV Grizzlys Bergkamen in der Emscher-Lippe-Halle. Vor rund 160 Zuschauern und mit zwölf Feldspielerinnen sowie zwei Torhüterinnen im Aufgebot wartete direkt eine anspruchsvolle Aufgabe. Bergkamen galt als klarer Favorit und wurde bereits als heißer Aufstiegskandidat gehandelt. Die Ausgangslage versprach somit eine schwierige Premiere – doch die EHC Damen sollten zeigen, dass sie sich keineswegs verstecken mussten.
Ein überraschender Auftakt
Mit dem ersten Bully war die Anspannung auf und neben dem Eis spürbar. Bereits in der dritten Spielminute musste der EHC durch eine Strafe gegen Sarah Lierisch in Unterzahl agieren. Was zunächst nach einem frühen Rückschlag aussah, entwickelte sich jedoch zum perfekten Auftakt: Neele Schmeling nutzte die Unterzahlsituation nur zwölf Sekunden später zur überraschenden 1:0-Führung für die Gastgeberinnen.
Der Favorit aus Bergkamen war damit früh gefordert. Zwar erhöhte der ESV den Druck und kam in der zehnten Spielminute zum 1:1-Ausgleich, doch die Gelsenkirchenerinnen hielten dagegen. Mit einem durchaus überraschenden Unentschieden ging es in die erste Drittelpause. Die Stimmung war positiv, die Mannschaft hatte Selbstvertrauen getankt und den favorisierten Gästen gezeigt, dass an diesem Abend mit ihr zu rechnen war.
Bergkamen zieht davon – Schmeling hält dagegen
Der Start in den zweiten Spielabschnitt verlief allerdings denkbar ungünstig. Bereits nach 56 Sekunden gingen die Gäste mit 2:1 in Führung. Es entwickelte sich ein intensives Spiel mit zahlreichen Strafzeiten auf beiden Seiten. In der 26. Minute nutzte Bergkamen eine eigene Unterzahlsituation und erhöhte auf 3:1. Nur rund 70 Sekunden später fiel bereits das 4:1.
Doch die EHC-Damen gaben sich nicht auf. In der 31. Spielminute war erneut Neele Schmeling zur Stelle und verkürzte auf 2:4. Die Antwort der Gäste folgte allerdings prompt: Mit zwei weiteren Treffern in der 33. und 35. Minute setzte sich Bergkamen auf 6:2 ab.
Auch ein Torhüterwechsel auf Seiten der Gastgeberinnen brachte zunächst keine Entlastung. Kerstin Brunne übernahm zwischen den Pfosten, musste jedoch ebenfalls einen Gegentreffer hinnehmen. Kurz darauf wurde der ohnehin dezimierte Kader durch eine Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Nina Salitz wegen Bandenchecks weiter geschwächt.
Trotz dieser schwierigen Phase bewiesen die Gelsenkirchenerinnen Moral. In der 35. Minute schnürte Neele Schmeling mit ihrem dritten Treffer des Abends den Hattrick und stellte auf 3:6. Die Freude währte allerdings nur kurz: Rund 16 Sekunden später nutzte Bergkamen eine Überzahlsituation zum 7:3. Mit diesem Spielstand ging es in die zweite Drittelpause.

Fünf Tore in einem unglaublichen Schlussdrittel
Wer dachte, die Partie sei damit entschieden, wurde im letzten Drittel eines Besseren belehrt. Nach einem erneuten Torhüterwechsel kehrte Fabienne Lau zwischen die Pfosten zurück, nachdem sie zuvor
verletzungsbedingt kurzzeitig hatte ausgewechselt werden müssen.
In der 42. Minute setzte Neele Schmeling ihre beeindruckende Vorstellung fort und verkürzte auf 4:7. Wenig später erhielt Bergkamen eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen Stockschlags. Die daraus resultierende fünfminütige Überzahl nutzten die EHC-Damen auf spektakuläre Weise.
Nur fünf Sekunden nach Beginn der Überzahlsituation traf Schmeling zum 5:7. Während die Zuschauer den Anschlusstreffer noch feierten, schlug die Torjägerin bereits wieder zu: Nur sieben Sekunden später stellte sie auf 6:7. Die Halle stand Kopf, und plötzlich war der Ausgleich zum Greifen nah.
Nach weiteren Strafzeiten auf beiden Seiten kam es schließlich zum Höhepunkt der Gelsenkirchener Aufholjagd. In der 44. Spielminute erzielte Neele Schmeling in Überzahl ihren siebten Treffer des Abends und stellte auf 7:7. Aus einem zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand war innerhalb weniger Minuten ein Unentschieden geworden. Die rund 160 Zuschauer sorgten für eine fantastische Atmosphäre und feierten das unglaubliche Comeback der Gastgeberinnen.
Die Partie war nun völlig offen. Als Bergkamen in der 58. Minute eine weitere Strafe kassierte, keimte bei den Gelsenkirchenerinnen noch einmal Hoffnung auf, die Begegnung sogar vollständig zu drehen. Der mögliche Siegtreffer lag förmlich in der Luft.
Doch dann kam der bittere Schlusspunkt: 23 Sekunden vor der Schlusssirene nutzte Ariane Jilg einen Konter nach einem offensiven Bully der Gastgeberinnen und erzielte das 8:7 für Bergkamen. Ausgerechnet in der Schlussphase, nach einer leidenschaftlichen Aufholjagd, mussten die EHC-Damen damit noch den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen.

Eine Niederlage, die Mut macht
Am Ende stand eine denkbar knappe 7:8-Niederlage auf der Anzeigetafel. Trotz der Enttäuschung über den späten Gegentreffer können die Gelsenkirchenerinnen viel Positives aus ihrer Premiere mitnehmen. Gegen einen hoch eingeschätzten Gegner bewies die Mannschaft Kampfgeist, Zusammenhalt und große Moral. Besonders die Aufholjagd im Schlussdrittel zeigte, welches Potenzial in dem neu formierten Team steckt.
Hervorzuheben sind Torhüterin Fabienne Lau, die mit zahlreichen Paraden überzeugte, sowie Neele Schmeling, die mit sieben Treffern eine herausragende Offensivleistung zeigte und ihre Mannschaft beinahe im Alleingang zum Sieg führte.
Auch wenn der erste Sieg noch auf sich warten lässt, hat die Damenmannschaft bei ihrem Heimdebüt eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht. Die Leistung macht Hoffnung für die weitere Saison und dürfte Lust auf mehr gemacht haben.

Nächstes Heimspiel am 31. Oktober
Lange warten müssen Mannschaft und Fans auf die nächste Gelegenheit nicht: Bereits am 31. Oktober 2026 um 9:30 Uhr empfangen die EHC-Damen den TSVE Bielefeld erneut in der Emscher-Lippe-Halle.
Nach dieser packenden Premiere hoffen die Spielerinnen wieder auf zahlreiche Unterstützung von den Rängen. Vielleicht gelingt dann vor heimischem Publikum der erste Saisonsieg – und das nächste Spektakel ist bereits vorprogrammiert.

